Aus einem typografischen Experiment entsteht aus dem Erscheinungsbild und dessen Kontext eine Marke, die sich überwiegend im öffentlichen Raum Aufmerksamkeit verschafft in Form von Installationen, Events und Produkten, die Anstoß zum Aktionismus geben. Rotzkopf®steht als Marke ausschließlich für sich selbst und beinhaltet keinerlei externe Inhalte.
Das Experiment
In der Druckwerkstatt der Kunstakademie AKI in Enschede entsteht das erste Schriftbild. In einer Schublade finde ich sieben lose Buchstaben in Helvetica Ultracompressed und beginne, mit ihnen zu spielen.
Plötzlich kommt »Rotzkopf« auf und ich lache mich schlapp.
Die Farbkombination des Posters hat was Radikales und die umgedrehten, eng gesetzten, fetten Buchstaben erinnern auch ein bisschen an kyrillische Zeichen. Ästhetisch jedenfalls nicht weit weg von Propaganda-Postern der UdSSR. Die Konsonantenfolgen tzk und pf klingen besonders hart. Rotzkopf lässt sich prima schreien.
2015
Ich beschäftige mich projektübergreifend mit diversen Formen von radikaler Ästhetik und greife das Poster wieder auf mit der Frage, ob es typografisch noch andere Wege gibt, dieselbe Wirkung zu erzielen. Um den Fokus auf die Form zu legen, soll alles Schwarz-Weiß sein.
222 Poster in der Innenstadt
02/2015 Meine Wurzeln liegen im Graffiti und das fließt ganz unmittelbar in das Projekt ein: Schnell schmücken 222 handgedruckte Poster die Innenstadt Enschedes. Das hohe Aufkommen der radikal interpretierten Botschaft, mit der niemand so wirklich etwas anfangen kann, lässt einen Mythos entstehen, der für Gesprächsstoff sorgt und der sich auch später positiv auf die Vermarktung auswirkt.
04/2015 Aus der Posterserie entsteht durch das Erscheinungsbild und dem assoziierten Kontext das Vorhaben, eine Markenidentität aufzubauen. Die Besonderheit: Fame before content – bevor es etwas Greifbares zu vermarkten gibt, erstmal so bekannt wie möglich werden. Ein Seecontainer neben der Akademie dient von April–Juli 2015 als zentrale Produktionsstätte, die im Anschluss bei den AKI Finals ausgestellt wird.
05/2015 Installationen im öffentlichen Raum stellen bestehende Regeln und Verhaltensweisen der Graffiti-Kultur medienübergreifend in Frage und erkunden mögliche Schnittflächen von Design und Graffiti, z.B. durch Bewegtbild-Projektionen.
Durch eine Spiegelfolierung werden die Arbeiten erst bei Nacht sichtbar. Ausgestellt werden zehn vergrößerte Ausschnitte aus den Typo-Postern, Siebdruck auf Holz.
Installation »RB20214« Projektion auf Regionalbahn
07/2015
GENERATIVE TYPE BOOTH
Ein Fotoautomat, in dem ein »Rotzkopf«-Schriftzug auf den Oberkörper projiziert wird. Dadurch kommen einzigartige Verzerrungen zustande, die im weiteren Verlauf des Projekts als Bildmotive verwendet werden.
Durch die Interaktion entsteht eine persönliche Identifikation mit der Marke, die durch kostenlose Bereitstellung der Bilder mühelos Reichweite generiert.
08/2015–08/2018
Neben Wänden, Objekten und Gebäuden prägen natürlich auch Menschen das Erscheinungsbild des öffentlichen Raums. Rund 400 unikale, handgedruckte Kleidungsstücke sowie Sondereditionen in limitierter Auflage werden zur Verbreitung der Wortmarke in Umlauf gebracht. Anfangs noch mit einer mobilen Siebdruckstation und dem Angebot, eigene Kleidung mitzubringen, um sie kostenlos bedrucken zu lassen, erfolgt der Verkauf der Kleidung nebenbeiauf Ausstellungseröffnungen und Festivals. Seit 2019 gibt es auf www.rotzkopf.com einen eigenen, unabhängigen Webshop.
Statt selbst Schnitte zu entwerfen, wird fast ausschließlich Secondhand-Kleidung bedruckt. Das hat zwei Gründe: Zum einen schont es Ressourcen, zum anderen knüpft es an die Graffitikultur, in der Sprüher.innen ihr Pseudonym auf Wänden, Zügen, etc. hinterlassen.